Grünraumkonzept Reutte

Anknüpfend an die Diskussionen im Rahmen des Projekts Raum Reutte 2020 und des Zukunftsforums Außerfern 2012 möchte sich die Marktgemeinde Reutte beispielhaft für alle Naturparkgemeinden dem Thema Grünraumgestaltung annehmen.

Der erste Schritt hin zu einer naturparkgemäßen Ortsgestaltung liegt in der Erstellung eines Grünraumkonzepts. Das Projektziel wird im Folgenden beschrieben als zukünftige Situation, die mit Abschluss des Projekts gegeben sein soll.
Das Grünraumkonzept liefert die wesentlichen Grundlagen für eine naturparkgemäße Ortsbildgestaltung. Die kommunalen Entscheidungsträger und die betroffenen Mitarbeiter sind geschult und sensibilisiert hinischtlich der Bedeutung des Grünraums für Lebensqualität und Gemeindeimage. Das Grünraumkonzept hat Leitbildcharakter für alle ortsplanerischen Entscheidungen im Gemeinderat. Es zeigt auf, wie der Naturparkgedanke auf die Ortsbildgestaltung heruntergebrochen werden kann. Die Bevölkerung ist über das Grünraumkonzept informiert. Im Zuge der Erstellung konnten Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen und Vorstellungen einbringen.
Das Grünraumkonzept liegt in der Marktgemeinde Reutte zur freien Einsicht auf und kann über die Gemeindewebsite aufgrufen werden. Als Baubehörde hat die Marktgemeinde Reutte bessere Grundlagen, Bauträger entsprechend zu sensibilisieren und für entsprechende Maßnahmen zu motivieren.
Die Entscheidungsträger in den anderen Naturparkgemeinden können anhand des Grünraumkonzepts Anregungen für die eigene Ortsbildgestaltung ableiten. Auf lange Sicht erleben Bevölkerung und Gäste in allen Gemeinden, dass hier auf einen sensiblen Umgang mit Landschaft großer Wert gelegt wird. Die aktive Grünraumgestaltung führt zu einer Schärfung des regionalen Profils im Sinne des Naturparks.
Die Marktgemeinde Reutte berücksichtigt bei allen weiteren Maßnahmen der Ortsplanung und Ortsgestaltung deren Auswirkungen auf den Grünraum und schreibt im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bzw. der Verhältnismäßigkeit Bauwerbern entsprechende Auflagen vor. Bei eigenen Eingriffen in den Grünraum geht die Markgtemeinde Reutte mit gutem Beipsiel voran. Beim Verlust von Landschaftselementen werden entsprechene Ersatzmaßnahmen durchgeführt. Der Grünraum wird zudem kontinuierlich erweitert. Anhand des Konzepts wird ein jährlicher Pflegeplan erstellt. Ersatz- und Erweiterungsmaßnahmen werden anhand einer fundierten Grundlage im Gemeindehaushalt berücksichtigt.
Die Zielerreichung kann beispielsweise anhand der Anzahl an Bäumen und sonstigen noch zu definierenden Landschaftszeichen gemessen werden.

Seit 2004 sind weite Talabschnitte der PVs Oberes Lechtal und Reutte als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Naturparkverein Tiroler Lech und die beiden TVBs Lechtal und Naturparkregion Reutte arbeiten seit einigen Jahren intensiv am Aufbau eines Naturparktourismus und der Positionierung des Gebietes als Naturparkregion. Dabei gelang es bereits, wichtige Systempartner für Kooperationen zu gewinnen (Bsp. Naturparkpartnerbetriebe, Naturparkwirte) und gemeinsame Produkte zu entwickeln (Bsp. Lechweg). Die Gemeinden sind ebenfalls wichtige Systempartner sowohl hinsichtlich der Identifikation der Bevölkerung mit dem Naturpark als auch bei der Profilierung als Naturparkregion.
Gäste, für die das Prädikat „Naturpark“ ein wichtiges Buchungsargument darstellt, verknüpfen damit auch ganz bestimmte Erwartungen. Diese Gästeschicht hat entsprechende Reiseerfahrung und kann sehr gut einschätzen, ob die Naturparkphilosophie in einer Region gelebt wird, oder ob es sich dabei nur um einen Werbeslogan handelt. In Zeiten, in denen intakte Natur- und Kulturlandschaften immer seltener werden, steigt die Sensibilität für den Umgang mit Lanschaft.
Das Erhalten und Gestalten von Landschaft prägt nicht nur das Freiland sondern insbesondere auch den innerörtlichen Bereich. Gäste wie Einheimische halten sich in einem beträchtlichem Ausmaß im innerörtlichen Raum auf. Dies gilt vor allem für zentrale Orte mit ihrem Einkaufs- und Gastronomieangebot. Eine aktive Grünraumgestaltung im Sinne einer „Naturparkgemeinde“ erhöht Aufenthalts- und Luftqualität, ist imageprägend und trägt in erheblichem Ausmaß zur Lebensqualität bei. Es lässt sich dadurch mit vergleichsweise wenig Mitteln eine deutliche Attraktivierung von Ortsbildern erreichen.
Das Projekt Raum Reutte 2020 machte zum ersten Mal die Raumentwicklung im Talkessel von Reutte zum gemeinsamen Thema im Planungsverband. Dabei wurde auch der Naturpark als Leitidee für die Raumentwicklung aufgegriffen. Der durch das Projekt Raum Reutte 2020 angestoßene Denkprozess fand bereits Ausdruck in verschiedenen Detailplanungen. So erarbeitet die Marktgemeinde Reutte in Abstimmung mit den Umlandgemeinden derzeit ein neues Radverkehrskonzept.
Mit dem diesjährigen Zukunftsforum Außerfern am 31.08.2012 versuchten der Naturpark Tiroler Lech und die Regionalentwicklung Außerfern anknüfend an das Projekt Raum Reutte 2020 das Bewusstsein bei den kommunalen Entscheidungsträgern für den Umgang mit Landschaft zu stärken. Diese Veranstaltung hatte den Untertitel „Wir LANDSCHAFTmacher“ und stellte neben der Veränderung der Kulturlandschaft auch eine naturparkgerechte Ortsplanung in den Mittelpunkt der Diskussion.
Alle Naturparkgemeinden machen an den Ortseinfahrten mit dem Zusatz „Naturparkgemeinde“ darauf aufmerksam, dass sich der Besucher in einer Naturparkregion befindet. Bislang richtet aber keine Gemeinde ihre Ortsgestaltung an diesem landschaftsbezogenen Qualitätsprädikat aus. Es werden bei Gewerbegebietserschließungen, Verkehrsplanungen, etc. keine grünraumbezogenen Begleitmaßnahmen eingefordert bzw. berücksichtigt. Es gibt auch noch keine aktive Gestaltung des Grünraums im Sinne des Naturparkgedankens (Neuschaffung von Landschaftselementen mit direktem Bezug zum Naturpark). In den letzten Jahren sind landschaftsprägende Elemente wie Alleen und sonstige Landschaftszeichen zunehmend verschwunden.

Maßnahmen

  • Erhebung aller Bäume und sonstiger Landschaftszeichen im Ortgebiet (auf öffentlichem Grund) der Marktgemeinde Reutte nach Standort, Baumart, Alter, Zustand (Schädlingsbefall, etc.) und ästhetische Wirkung (in Zusammenwirken mit dem Gemeindegärtner).
  • Eingabe der Daten in eine Datenbank zur leichteren Überwachung bzw. Pflege des Grünraumbestandes (Grundlage und Datenstruktur Gemeindegärtner).
  • Ausarbeitung von Vorschlägen zur Erweiterung des Grünraums
  • Auflage zum Erstellen eines landschaftspflegerischen Begleitplanes in Abstimmung mit dem Grünraumplan als Bestandteil (TBO) des Bauverfahrens (Bescheidauflage) für Baumaßnahmen mit ortsbildbeeinflußender Wirkung (z.B. Verordnung der Gemeinde)
  • Ausnahme: Wohngebäude bis max. 5 Wohneinheiten, Baumaßnahmen im Bereich von Schutzzonen (SOG), Baumaßnahmen vorübergehenden Bestands.
  • Grünraumplan und landschaftspflegerischer Begleitplan werden sowohl im Bauausschuss als auch im Gemeinderat inhaltlich diskutiert und die daraus gewonnene Anregungen und Ergänzungen werden eingearbeitet.
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung
  • Vorstellung des Grünraumkonzepts in der Vollversammlung des Naturparkvereins zum Erfahrungs- und Know-How-Transfer und Anregung, ähnliche Konzeptionen in den anderen Naturparkgemeinden durchzuführen.
Marktgemeinde Reutte
Obermarkt 1
Reutte
6600
Marktgemeinde Reutte
2014-2015
€ 12.600 €

Dorferneuerung

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