Das Außerfern setzt auf Barrierefreiheit

Kunden erkennen barrierefreie Geschäfte zukünftig am Aufkleber „Allgäu-Tirol barrierefrei“.

Ältere Menschen mit Gehhilfen oder Rollstuhlfahrer sind aufgrund baulicher Barrieren oft von der Teilhabe am öffentlichen Leben ausgeschlossen. Die vier Allgäuer Landkreise und die Regionalentwicklung Außerfern (REA) setzten sich daher zum Ziel, das Leben für diese Personen ein Stück weit einfacher zu machen. Im Rahmen des EU-geförderten Projekts Allgäu-Außerfern barrierefrei bildeten die fünf Partner Personen aus, die öffentlich zugängliche Einrichtungen im Detail aufnehmen und die Betreiber beraten können. Im Außerfern waren zuletzt zwei solche Erheberteams im Auftrag von REA im Einsatz. Dem einen Team gehören die Studentin und Rollstuhlfahrerin Daniela Köck aus Vorderhornbach und die Architektin DI Barbara Scheiber aus Nesselwängle an. Ing. Michael Angerer aus Reutte und Christian Kathrein aus Vils bildeten das zweite Team. Die beiden Teams erhoben insgesamt 81 Einrichtungen im Bezirk Reutte. Davon sind 20 rollstuhltauglich und 36 barrierefrei. Das heißt, diese Einrichtungen sind komplett ohne Stufen erreich- und nutzbar. Die beiden Kategorien unterscheiden sich in den erforderlichen Bewegungsflächen und Durchgangsbreiten. Rollitaugliche Einrichtungen müssen Bewegungsflächen mit einem Radius von mindestens 150 cm und Türen mit einer Durchgangsbreite von mindestens 90 cm aufweisen. Bei barrierefreien Gebäuden reichen ein Radius von 120 cm und eine Breite von 80 cm. Ein eigener Aufkleber mit weißem Pfeil auf gelbem Hintergrund zeigt den Kunden bereits an der Eingangstür, ob ein Geschäft, Hotel, Restaurant oder Cafe barrierefrei ist. Dieses Symbol wird bereits seit vielen Jahren in Berlin eingesetzt. Man verzichtet hier bewusst auf das Rollisymbol, da Barrierefreiheit allen Menschen das Leben leichter macht. Besonders gut ist die Barrierefreiheit im Lebensmittelhandel. So sind alle Außerferner Filialen der Lebensmittelketten MPreis und Hofer, der Eurospar Müller-Schennach und der ADEG Markt in Reutte sowie der Spar-Markt in Elbigenalp entweder barrierefrei oder rollstuhltauglich. Etwas schwieriger ist die Situation in der Hotellerie. Hier ist nur das Reuttener Hotel Ammerwald rollitauglich. Der Gasthof Bären in Holzgau, das Silence-Sporthotel Zugspitze in Lermoos, das Ferienhaus Moll in Höfen und die Villa Buchenhain in Ehrwald sind barrierefrei. Für Cafetier und Kaufmannschaftsobmann Christian Senn bedeutet Barrierefreiheit ein Mehr an Lebensqualität. „In unserem Cafe ‚Steh` sind auch Rollifahrer gern gesehene Gäste. Ich wünsche mir, dass ganz Reutte auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle einnimmt. Die bauliche Situation vor allem in kleineren Geschäften ist nicht immer einfach. Doch wer kann, soll bei Umbauarbeiten ganz besonders auf die Bedürfnisse älterer Personen und von Menschen mit Behinderung achten“, fordert Senn. Die Kunden können sich auf der Website www.allgaeu-tirol-barrierefrei.eu ein genaues Bild von der Barrierefreiheit aller erfassten Einrichtungen machen. Darunter sind auch bedingt barrierefreie Gebäude. Anhand einer detaillierten Darstellung mit Abmessungen und Bildern kann der Kunde bzw. Gast selbst entscheiden, ob er auch in einem bedingt barrierefreien Gebäude zurechtkommt. Wer seine Einrichtung erheben lassen möchte, kann sich jederzeit an den Verein REA wenden (Tel. 05672 62387).