Auf Ehrenberg fallen Barrieren

Dank Ehrenberg-Liner sind einige Teile der Burgenwelt nun auch für Rollifahrer zugänglich

REUTTE. Die HLW-Schüler Adam Rea, Anna-Maria Tangl und Samira Larcher beschäftigen sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit barrierefreien Urlaubsangeboten in der Naturparkregion Reutte. Die Professoren Sandra Gall und Matthias Blum sind ihre fachlichen Betreuer. Auftraggeber ist die Regionalentwicklung Außerfern. Die erste Recherche der Schüler ergab ein durchwachsenes Bild. Zum einen sind auf der Website www.allgaeu-tirol-barrierefrei.eu bereits einige barrierefreie Beherbergungsbetriebe sowie die Alpentherme Ehrenberg erfasst. Zum anderen gibt es noch Lücken in der Freizeitinfrastruktur. Dank umfangreicher Maßnahmen auf Ehrenberg konnte nun eine solche Lücke geschlossen werden. Das Besucherzentrum, die Naturpark-Ausstellung, das Restaurant im Salzstadel, der Ehrenberg-Liner inklusive Behindertenparkplatz sowie die neue Ausstellung im Hornwerk sind barrierefrei zugänglich. Der Verbindungsweg vom Hornwerk hinauf zur Highline hat nur mehr eine Steigung von 7,9%. Vorher waren es bis zu 20%. Dieser nun asphaltierte Weg ist mit geringer Hilfestellung auch für Rollifahrer zu bewältigen. Sportliche Rollifahrer können diese rund 150 m selbständig meistern. Auch die Highline ist mit einer Bodenbreite von 120 cm in einer Richtung mit einem Rolli befahrbar. Durch die Neigung insbesondere auf der Seite Fort Claudia brauchen Rollifahrer allerdings eine Hilfestellung. Im Beherbergungsbetrieb Alte Kaserne gibt es im Erdgeschoß ein barrierefreies Zimmer. Die Behinderten-WCs für alle Anlagenteile befinden sich in der Tal- und Bergstation des Ehrenberg-Liners. Bernhard Gruber, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für barrierefreies Planen und Bauen, übergab kürzlich Armin Walch, Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg, den Prüfbericht zu barrierefreien Zugangsmöglichkeiten und die behindertengerechte Nutzung der Anlage. Nach einem Arbeitsunfall selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, weiß Gruber aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, barrierefreie Urlaubs- und Freizeitangebote zu finden. Er hat die Anlage auf Herz und Nieren geprüft und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Für Armin Walch ist damit ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung von Ehrenberg erreicht. „Endlich können auch Rollifahrer wichtige Teile dieser einst uneinnehmbaren Festung erobern“, freut sich der Geschäftsführer der Burgenwelt. Die Schüler hatten kürzlich zusammen mit ihren Professoren die Gelegenheit, sich von der Barrierefreiheit ein Bild zu machen. In ihrer Diplomarbeit werden sie weitere Vorschläge für barrierefreie Angebote ausarbeiten. Mit ihrer Arbeit möchten sie letztendlich dieses gesellschaftspolitische Anliegen stärker ins Bewusstsein von Touristikern und politischen Entscheidungsträgern rücken. Es handelt sich hier um einen wichtigen Aspekt der Lebensqualität, der nicht nur Menschen mit Handicap sondern auch Eltern mit Kinderwägen oder Senioren mit Rollatoren zugutekommt. HLW-Schülerin Samira Larcher bringt die Motivation der Projektgruppe auf den Punkt: „Augen auf und verändern, damit Einschränkungen weniger werden und jeder die Möglichkeit hat, ohne Schwierigkeiten sein Leben und seine Freizeit zu gestalten und zu genießen“.